Für das Grand Opening der wechsel/stube hat Michael Omlin in seiner Installation mit einem lichtästhetischen Eingriff aus der, Gemütlichkeit versprechenden, Stube einen künstlichen Raum geschaffen. Mit nur wenigen Gegenständen, drei Natrium-Gasentladungslampen und den anhaltenden Ton von Dauerregen, legt Michael Omlin einen Link zum Aussenraum der wechsel/stube, wo auf Augenhöhe die Strassenlaternen zwischen den Häusern hängen und die Strasse in das dort so vertraute goldgelbe Licht tauchen. Die Reduzierung der Mittel fokussiert das Medium, will das Licht selber sichtbar machen und erzeugt so vor allem eine körperliche Erfahrung.
Draussen, im öffentlichem Raum, ist die Wahrnehmung des Gaslaternenlichts von einer grossen Ambivalenz geprägt. Die Eindrücke werden seit jeher als goldfarben, anheimelnd und behaglich beschrieben; und heute als bessere Variante zur ununterbrochenen elektrischen Helligkeit auf den Strassen mystifiziert. Gleichzeitig leben die in der modernen Großstadt des 19. Jahrhunderts angesiedelten Geschichten vom “flackernden und grellen Licht” (Poe) oder vom “gleißenden Gaslicht des Boulevards” (Peter Hacks).
Drinnen, im holzvertäfelten Raum der wechsel/stube, zeigt sich genau diese Ambivalenz. Das sonst so dunkle Holz des Wohnraums erscheint in einem goldgelbenen Ton. Das Licht erzeugt einen honigmild beleuchteten Schutzraum, was sich besonders im Kontrast zu den Lichtern der anderen Wohnräume zeigt. Die Wahrnehmung ist irritiert, weil das alltägliche Licht des Wohnens auf einmal blendendweiss und kalt wirkt. Die Verlagerung der Gasentladungslampen in den Innenraum - das Goldgelbe - erzeugt jedoch keine Gemütlichkeit, es ist anstrengend hier zu Verweilen. Das Licht scheint zum Vorübbergehen, zum Durch-die-Strassen-Laufen. Und trotzdem möchte man bleiben, denn ein anhaltender Dauerregen ist zu hören, von dem kein Tropfen in diese geschützte Atmosphäre dringt. Draussen, die Stadt, die Lichter.





